8.
Mai 2011
Kammerensemble Ouvertüre
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Dr. Helmut Trinkaus (* 12.3.1937 - †
7.4.2011)
Das
Abschlusskonzert der Saison 2010/11 ist
dem am 7.
April 2011 verstorbenen Mitgründer und ersten Vorsitzenden des Vereins
Jülicher Schlosskonzerte, Herrn Dr. Helmut Trinkaus, in großer Dankbarkeit
gewidmet.
Als
leidenschaftlicher Musikliebhaber trug er vor sieben Jahren maßgeblich zur
Rettung der Kammerkonzertreihe bei, die sich unter seiner engagierten Leitung zu
einer überregional beachteten Kulturveranstaltung entwickelte.
Seine
Ehefrau Susanne Trinkaus
gehört zu den Solisten des
Konzertabends, der in der Hauptsache geprägt wird
durch die Aufführung des
dritten und sechsten
Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach. Eröffnet wird der Abend mit dem Concerto Grosso in D-Dur op.
6/5 von Georg Friedrich Händel. Es folgen Bachs Suite in G-Dur für Violoncello
solo, und Georg Philipp Telemanns Konzert für Viola und Orchester in G-Dur.
Susanne
Trinkaus leitet
mehrere Kammerorchester im Raum Düren-Köln.
Arabella Ristenpart
und Lolla Petrovitsch
waren Solocellistin
bzw. –Bratschistin in mehreren renommierten Orchestern. Arabella Ristenpart ist
zurzeit Cellistin mehrer Kammermusikensembles und gefragte Solocellistin in
Aufführungen von Oratorien. Der junge Geiger
Georg Sarkisjan
ist Konzertmeister der Jungen Kammmerphilharmonie NRW. Er hat das Publikum des
Kollegium Musicum Jülich vor zwei Jahren mit einer reifen Interpretation von
Mendelssohns Violinkonzert hingerissen.
Das
„Kammerensemble Ouvertüre“ Ensemble hat sich zum Ziel gesetzt, die werkgetreue
Interpretation barocker Komponisten mit den Vorzügen neuer Instrumente zu
verbinden. Es hat schon einmal im April 2008 das Publikum der Jülicher
Schlosskonzerten mit Bachs zweitem, viertem und fünftem Brandenburgischen
Konzert begeistert.

Solisten:
Arabella Ristenpart,
Violoncello
Susanne Trinkaus,
Viola
Lolla Petrovitsch,
Viola
Programm
Georg Friedrich Händel
Concerto Grosso D-Dur op.
6/5
Johann Sebastian Bach
Suite G-Dur für Violoncello BWV 1007
Georg Philipp Telemann
Konzert für Viola und Orchester G-Dur
?
Johann Sebastian Bach
Brandenburgische Konzerte
Nr. 6 B-Dur BWV 1051
Nr. 3 G-Dur BWV 1048
G.
F. Händel komponierte seine zwölf Concerti grossi op. 6 im Herbst 1739
innerhalb nur eines Monats. Die Ausarbeitung des Werkes erfolgte in Anlehnung an
den Stil Corellis, weist aber mit neuartigen Stilelementen, wie der Einführung
und Verarbeitung eines zweiten Themas und einer differenzierten Dynamik und
Harmonik, bereits auf die Sinfonie der Frühklassik hin. Die spannungsreiche
Darstellung von Kontrasten zwischen den Soli- und Tutti-Passagen ist für die
Gattung des Concerto grosso typisch.
Zur Entstehung der Suite in G-Dur von Johann Sebastian Bach ist wenig bekannt.
Man geht davon aus, dass Bach die Cellosuiten in seiner Köthener Zeit um 1720
komponiert hat, vermutlich für die beiden am Hof von Leopold von Anhalt-Köthen
amtierenden Gambisten und Cellisten Christian Ferdinand Abel und Christian
Linike. Das Autograph gilt als verschollen, so dass als Quellen nur einige frühe
Kopien zur Verfügung stehen. Der standardisierten Suitenform Allemande –
Courante – Sarabande – Gigue wird in den Cellosuiten jeweils ein Prélude
vorangestellt. Außerdem sind zwischen Sarabande und Gigue so genannte
Galanterien eingefügt - zwei gleichartige Tanzsätze in Form einer Da-capo-Arie.
Georg Philipp Telemanns Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo in G-Dur
ist eines der ersten bedeutenden Konzerte für dieses Instrument. Der erste Satz
des Werkes beginnt mit einer Einleitung des Orchesters. Das ruhige Thema wird
von der Solo-Bratsche wiederholt und ausgestaltet. Der zweite Satz bildet mit
seinem energischen, aufsteigenden Thema einen Kontrast. Auch hier imitiert die
Solostimme zunächst das vom Orchester vorgespielte Thema, das im weiteren
Verlauf variiert und mit virtuosen Passagen eigenständig weiter entwickelt wird.
Im dritten Satz wechselt die Stimmung ins Melancholisch-Meditative. Das
Orchester beginnt mit einem Thema, das diesmal nicht von der Viola wiederholt
wird. Das Solo-Instrument setzt eine eigene, getragene Melodie dagegen. Die
beiden Themen werden kunstvoll miteinander verwoben. Im zweiteiligen, vierten
Satz überwiegt eine ausgelassene Stimmung. Die Bratsche wiederholt die virtuosen
Läufe des Orchesters und führt das Werk gemeinsam mit dem Tutti schwungvoll zum
Ende.
?
Aus heutiger Sicht markieren die sechs Brandenburgischen Konzerte J. S. Bachs
unbestritten den Gipfelpunkt der Konzertentwicklung zwischen 1700 - 1750. Sie
sind dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734)
gewidmet, den Bach im Winter 1718/1719 in Berlin kennen gelernt hatte. Im
September 1721 schickte er ihm die Partitur mit einer umfangreichen Widmung.
Das Konzert Nr. 6 folgt der Form einer italienischen Ouvertüre aus Konzertsatz,
langsamem Mittelsatz und Tanz. Die beiden Solobratschen stehen einem Concertino
von zwei Gamben, einem Cello und dem Basso continuo gegenüber. Das
festlich-majestätische Thema des ersten Satzes wird von der ersten Bratsche
vorgespielt. Nach zwei Sechzehnteln fällt das zweite Soloinstrument dem ersten
quasi ins Wort und spielt fast wörtlich das Gleiche. Die beiden Violen jagen
einander spielerisch im Kanon. Im langsamen Satz beginnt die zweite Bratsche mit
einem wunderschönen, lyrischen Thema, das nach vier Takten von der ersten Viola
eine Quinte höher beantwortet wird. Auch im unbeschwerten dritten Satz verwendet
Bach das Prinzip des Kanons. Beide Soloinstrumente haben nahezu identische
Stimmen, die versetzt gespielt werden.
Im Brandenburgischen Konzert Nr. 3 verwendet Bach die ältere Konzertform, in dem
nicht solistische Instrumente einem Orchester, sondern Orchestergruppen einander
gegenübergestellt werden. Ein ausgestalteter langsamer Satz fehlt. Er wird durch
eine Kadenz ersetzt, die wahlweise das Cembalo oder die erste Violine
übernimmt. Die abschließende Gigue tritt in einen Gegensatz zur Gedankentiefe
des ersten Satzes. Vielfach verwoben sind ihre Stimmen. Strahlend, fast
übermütig endet das Werk.
Die Interpreten
und Solisten
Das Kammerensemble „Ouvertüre“ wurde 2008 von Susanne Trinkaus anlässlich eines
ersten Projektes „Brandenburgische Konzerte“ gegründet und seither geleitet. Die
Musiker haben sich zur Aufgabe gemacht, eine historische, werkgetreue
Aufführungspraxis von Barockmusik mit den klanglichen Vorteilen moderner
Instrumente zu verbinden.
Die Eckpfeiler des Ensembles sind Susanne Trinkaus, Violine und Viola und
Arabella Ristenpart, Violoncello. Die tragende Basis bilden Stefan Palm, Cembalo
und Georg Klinkenberg, Kontrabass. Zum Ensemble gehört eine dem Programm
angepasste Standardbesetzung von hochrangigen Streichern und Bläsern aus der
Region.
Susanne Trinkaus hat nach ihrem Bratschenstudium an der Kölner Hochschule
für Musik viele Jahre lang mit großem Erfolg konzertiert, als Geigerin des
„Robert Schumann-Ensembles für Klavierkammermusik“, das sich durch Konzertreisen
im In- und Ausland und CD-Produktionen einen Namen gemacht hat, sowie als
Primgeigerin des Darmstädter „Ensemble Carolina“ und als Konzertmeisterin und
Solistin mehrerer Kammerorchester-Formationen im Raum Düren.
Arabella Ristenpart studierte an den Musikhochschulen Köln und Essen. Sie
arbeitete mehrere Jahre als Solocellistin in verschiedenen Orchestern - Oper der
Stadt Trier, Bergische Symphoniker, Folkwang-Kammerorchester, Bayerisches
Kammerorchester, als Gast im WDR-Rundfunkorchester, Klassische Philharmonie Bonn
- und ist weiterhin als Stimmführerin für Orchesterprojekte und Solocellistin in
Oratorien-Aufführungen gefragt.
Lolla Petrovitsch, Viola studierte an der Musikhochschule Hanns Eisler
Berlin. Engagements führten sie zum Mahler-Chamber-Orchestra, Leipziger
Kammerorchester, Ensemble Resonanz und Ensemble Modern. Von 2003 bis 2007 war
sie stellvertretende Solobratschistin am Staatstheater Darmstadt, 2008 bis 2009
in gleicher Position bei den Düsseldorfer Symphonikern.
Georg Sarkisjan, Violine hat bereits mit 11 Jahren erfolgreich am
internationalen Dvarionas Wettbewerb in Litauen teilgenommen. Es schlossen sich
Erfolge bei Wettbewerben in Tschechien, der Ukraine und Russland an. 2000 gewann
er den 1. Preis beim internationalen Wettbewerb Tallin. Er ist Konzertmeister
der jungen Kammerphilharmonie NRW.
[Zum Programmheft..]

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Stand: 21. Mai 2011.
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