23.
Januar 2011
La
Barca Leyden

Raymond Honing,
Traversflöte
Anneke van Haaften,
Violine
Elske Tinbergen,
Violoncello
Cees van der Poel,
Cembalo
Alfonso Marin,
Laute
*****
„Musik
am Hofe des Kurfürsten Johann Wilhelm
von der Pfalz,
Herzog von Jülich-Berg”
Arcangelo Corelli
Concerto Grosso D-Dur op.
6/1
Francesco Antonio Bonporti
Invention e-moll op. 10/8
Georg Friedrich Händel
Sonate D-Dur op. 1/13
Arcangelo Corelli
Concerto Grosso F-Dur op.
6/2
Johannes Schenk
Sonate in b-moll op.
3/10
Martin Friedrich Cannabich
Sonate in e-moll
Arcangelo Corelli
Concerto Grosso D-Dur op.
6/4
Zum Programm
Kurfürst
Johann Wilhelm von der Pfalz, Herzog von Jülich-Berg (1658-1716), von den
Rheinländern „Jan Wellem“ genannt, war der Inbegriff des barocken Herrschers. Er
war ein großer Kunstliebhaber und ein Sammler von Gemälden und
Musikinstrumenten. Musik spielte für ihn eine herausragende Rolle. Unter ihm
wurde Düsseldorf zu einem Musikzentrum von europäischem Format. Er selbst
spielte Viola da Gamba. Bedeutende Virtuosen und Komponisten, darunter Händel
sowie Johannes Schenk und mehrere Mitglieder der elsässischen Musikerfamilie
Cannabich, arbeiteten für den Kurfürsten und hielten sich zeitweilig in
Düsseldorf auf. Corelli widmete dem „… Duca di Baviera, Giuliers, Cleves &
Berghe …“ seine zwölf Concerti grossi op. 6, darunter das berühmte
Weihnachtskonzert.
Corelli,
war einer der führenden Violinisten seiner Zeit, dessen Musizierstil die
Entwicklung des Violinspiels stark beeinflusste. Als Komponist schrieb er
ausschließlich Instrumentalmusik. Mit seinem op. 6 hat Corelli die Gattung
Concerto grosso in die Instrumentalmusik eingeführt. Hier steht eine kleine,
solistisch agierende Instrumentalgruppe, das Concertino (kleines Konzert) einer
größeren, dem Concerto grosso (großes Konzert) gegenüber, die zusammen als Tutti
auftreten. Neben häufigen Änderungen des Tempos, der Rhythmik und der Melodik
bildet der Wechsel in der Fülle der Instrumentierung, der auch mit kleiner
Kammermusikbesetzung realisiert werden kann, die Grundlage für die große
Farbigkeit der Concerti grossi.
Die einförmig erscheinenden
Tempoangaben im Programm werden erst durch Unterschiede im Rhythmus interessant.
So folgt im ersten Satz „Largo-Allegro” von op. 6/1, einer kurzen langsamen
Tutti-Einleitung ein schneller Hauptteil, zunächst im Concertino, beide im
4/4-Takt. Der ebenfalls mit „Largo-Allegro” bezeichnete zweite Satz steht
hingegen im 3/4-Takt. -
Der in Trient geborene Francesco
Antonio Bonporti wuchs unter italienisch-österreichischen Einflüssen auf,
studierte zunächst in seiner Heimatstadt Theologie und wurde Priester. Später
studierte er in Rom Violine, womöglich als Schüler Corellis. Kompositorisch
bedeutend sind seine auch von Bach geschätzten 10 „Invenzioni per Violino Solo“,
von denen hier die Nr. 8 gespielt wird.
Händel
war einer der fruchtbarsten und einflussreichsten Komponisten überhaupt. Sein
künstlerisches Schaffen erstreckt sich über alle musikalischen Genres seiner
Zeit, von kleinen Solostücken bis hin zu großen Opern und Oratorien. Seine
Violinsonate in D-Dur ist die beliebteste aus seinem um 1722 veröffentlichten
Zyklus op. 1. Das Stück hat die Tempostruktur einer Kirchensonate,
langsam-schnell, langsam-schnell,
die erste Hälfte in 4/4-, die zweite in 3/4-Takten. Die Ausdrucksstärke der
langsamen Sätze - der erste wirkt beglückt, der zweite, in h-moll, wehmütig -
kontrastiert mit der Heiterkeit der virtuosen schnellen Sätze.
Der in Amsterdam als Sohn deutscher
Eltern geborene Gambenspieler und Komponist Johannes Schenk wurde 1696
von Jan Wellem, der selbst ein begeisterter Gambenspieler war, nach Düsseldorf
berufen. Dort begegnete Schenk Komponisten wie Händel und Veracini, die seine
eigenen Werke beeinflussten. Seine Sonate op. 3/10 gehört zu seinem Zyklus „Il
Giardino Armonico“ („Der harmonische Garten“).
Martin Friedrich Cannabich,
der jüngste der hier vorgestellten Komponisten, war als herausragender Flötist
und Oboist am Mannheimer Hof des Nachfolgers von Jan Wellem, Karl Philipp von
der Pfalz, angestellt. Sein Sohn Christian, ein Freund Mozarts, wurde
einer der wichtigsten Vertreter der „Mannheimer Schule“. Die hier gespielte
Sonate in e-moll zeigt die große Virtuosität Martin Friedrich Cannabichs als
Flötist.
Zu den Interpreten
Das aus dem niederländischen Leiden
stammende Barock-Ensemble „La Barca Leyden“ wurde 2007 von dem Flötisten Raymond
Honing gegründet. Das Ensemble leitet seinen Namen von den beiden Liedern „La
Barca“ („Der Kahn“) und „Fortuna guida“ ab, die der Leidener Stadtmusiker und
Organist (1557-1616) komponierte.
„La Barca Leyden“ ist auf die
authentische Aufführung Alter Musik spezialisiert. Das Ensemble möchte an die
reiche Musiktradition seiner Heimatstadt Leiden anschließen und diese mit neuem
Leben erfüllen. Neben seiner kammermusikalischen Tätigkeit führt „La Barca
Leyden“, zusammen mit Chören und Gesangssolisten, auch Oratorien auf.
Die intensive Kammermusiktätigkeit
von „La Barca Leyden“ ist inzwischen durch zwei erfolgreiche CDs dokumentiert,
„Telemann“ und „Italian
Masterpieces“. Anlässlich dieses Konzerts wird eine weitere CD, die der Musik
unter Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz gewidmet ist, erscheinen.
[Zum Programmheft..]

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Stand: 09. Januar 2011.
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