1.
Mai 2022
Tschechisches Nonett
das Konzert wurde vom WDR aufgezeichnet
und später gesendet
im Rahmen der Reihe "Kammerkonzerte
NRW"

Foto: W. Emde
Romana Zieglerová - Violine, Ondřej Martinovský
- Viola,
Simona Hečova
- Violoncello
David Pavelka - Kontrabass,
Jiri Skuhra - Flöte,
Vladislav Borovka - Oboe
Ales Hustoles - Klarinette, Pavel Langpaul - Fagott
Jiri Spacek - Horn
Das Tschechische Nonett ist eines der ältesten
Kammerensembles weltweit. Gegründet wurde es im Jahre 1924 von
Schülern des Prager Konservatoriums und wurde innerhalb von kurzer
Zeit zu einem bedeutenden Klangkörper mit klassischem Repertoire und
in vielerlei Hinsicht bahnbrechend für neue Musik. Das Tschechische
Nonett hat durch seine Interpretationen und der originellen
Instrumentalbesetzung viele bekannte zeitgenössische Komponisten zu
neuen Kompositionen inspiriert, genannt seien an dieser Stelle
Prokofjew, Lutosławski, Martinů.
Die spezifische Instrumentalbesetzung (Violine, Viola, Violoncello,
Kontrabass und Blaserquintett) bietet eine fast unerschöpfliche
Skala an Farbkombinationen mit dem vollen Klang eines
Kammerorchesters. Dadurch ist es möglich, Kompositionen vom Barock
bis zur Gegenwart ins Repertoire aufzunehmen, welches besonders
breit und vielfältig ist.
Das Tschechische Nonett stellte sich bereits auf zahlreichen
internationalen Musikfestivals vor: den Salzburger Festspielen,
Edinburgh International Festival, Montreux, Schleswig-Holstein Musik
Festival, den Festivals La Folle journée de Nantes, Festival de
Música de Canarias, Prager Frühling und anderen.
Es absolvierte viele Konzerttourneen durch europäische Länder
(Deutschland, Österreich, Großbritannien, Holland, Spanien, Italien,
Frankreich), weiter durch Länder Nord- und Südamerikas, Japan und
Afrika und trat ebenfalls auf bedeutenden internationalen
Konzertbühnen auf: Wiener Musikverein, Montreaux Auditorium
Strawinski, München Herkulessaal, Auditorio de Zaragoza, Lyon
Auditorium, Washington Library of Congress, Playhouse Vancouver,
Dvorak-Saal des Prager Rudolfinums usw.
Die umfangreiche Diskographie des Tschechischen Nonetts umfasst
fünfundvierzig Langspielplatten und CD's der Firmen Supraphon,
Panton und Harmonia Mundi. Für die Aufnahmen für die französische
Edition Praga Digital's mit dem internationalen Vertriebsnetz
Harmonia Mundi, mit dem das Tschechische Nonett im Jahre 1995 einen
Exklusivertrag abgeschlossen hat, erhielt das Ensemble eine ganze
Reihe wichtiger Preise. Die Aufnahme des Nonetts mit Werken von
Bohuslav Martinů erhielt 1996 von der bekannten
Rezensionszeitschrift Répertoire höchste Ehren - den Preis 10 du
Répertoire, und im Jahre 2003 gewannen die Aufnahmen Beethovenscher
Kompositionen den Preis Choc du Monde de la Musique. Für Praga
Digital's hat das Tschechische Nonett auch Kompositionen von Brahms,
Mozart, Roussel, Prokofjew, Spohr, Dvorak u. a. eingespielt.
Das Programm
Louis Spohr
(1784 - 1859)
Grand Nonett
op. 31
Allegro Scherzo. Allegro – Trio I / II Adagio Finale. Vivace
- Pause -
Antonín Dvořák
(1841 - 1904)
Serenade D Moll op. 44
Moderato, quasi marcia Minuetto. Tempo di
minuetto – Trio. Presto Andante con moto Finale. Allegro molto
Zum Programm
Der in Braunschweig geborene Geigenvirtuose Louis Spohr zählt zu
jenen Komponisten des 19. Jahrhunderts, deren Ruhm heute verblasst ist.
Seine Kammermusik und Opern, die die frühe Romantik prägten, werden heute
kaum noch aufgeführt. Dabei wurden seine Werke damals häufig mit großem
Erfolg gespielt. Der fast zwei Meter große, hühnenhafte Geiger war der
deutsche Antipode Paganinis, der ihn respektvoll den „vorzüglichsten Sänger“
auf seinem Instrument nannte. Als Dirigent war Spohr einer der ersten, die
sich mit dem Taktstock vor das Orchester stellten. Er war Opernkapellmeister
am Theater an der Wien, in Frankfurt und in Kassel, wo er für mehr als 30
Jahre wirkte. Der Komponist gehörte zu einer Generation, die noch stark von
Haydn und Mozart geprägt war und von diesen ausgehend allmählich zu einem
neuen Stil gelangte.
Im Nonett gibt es mehr als einen Hinweis auf diese Tradition. Wenig
originell sind seine Themen, neuartig und auch heute noch faszinierend
dagegen seine Harmonik und Klangfarben. Der Beginn des Adagios in tiefer
Streicherlage verweist auf ähnliche Anfänge bei Schubert, Mendelssohn und
Brahms. Hier fand Spohr zu einem neuen Ton, den auch nachfolgende Romantiker
aufgriffen. Unumstritten ist auch die satztechnische Meisterschaft seines
Werks, das bis heute als das Nonett schlechthin gilt. Jedes Instrument ist
solistisch und zugleich als Stimme im Ensemble behandelt.
Die Serenade d-moll op. 44 von Antonin Dvorák, original besetzt für 10
Bläser, Violoncello und Kontrabass, wurde 1878 geschrieben und am 17. November
uraufgeführt. Es ist das zweite Werk des Komponisten innerhalb dieser Gattung.
Bereits 1875 entstand die ‚Serenade E-Dur op. 22‘ für Streichorchester. Auch
hier mag das klassische Vorbild Mozarts und der damit zusammenhängenden
‚Serenaden-Tradition‘ als Vorbild gedient haben, in Opus 44 gibt es erstaunliche
Parallelen im Sinne von Reminiszenzen, die Dvorák mit äußerstem handwerklichem
Geschick und beeindruckender Stilsicherheit in ein neues klangliches Gewand
überträgt: „eine souveräne Stilisierung ‚im klassischen Stil‘. Tschechische
Volkstöne hauchen dem Menuett und Andante neues Leben ein, während die Themen
so berstend komisch oder sentimental gefühlig charakterisiert sind, dass eine
Art Musik ‚über die Wiener Klassik‘ entsteht.“ (Kammermusikführer der Villa
Musica RLP).
[Zum
Programmblatt..]
[Zur
Rezension..]

Home | Nach oben
webmaster:
dr.weitz@gmail.com
Stand: 25. Mai 2022.
|