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Jülicher Schlosskonzerte©
Klassische Kammermusik im historischen Ambiente - seit 1979
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6. April 2025
Barockensemble Artemandoline & Meike Herzig
Meike Herzig, Blockflöten Anne-Catherine Bucher, Cembalo Manuel Muñoz, Barockgitarre Mari Fe Pavón, Barockmandoline Jean Halsdorf, Barockcello Juan Carlos Muñoz, Barockmandoline
Mit der Gründung ihres Ensembles „Artemandoline“ haben sich Juan Carlos Muñoz und Mari Fe Pavón entschieden, sich der Originalliteratur ihres Instrumentariums zuzuwenden, um die ursprünglichen Wurzeln dieser unvergleichlichen Instrumentenfamilie zu ergründen und auszuleuchten und sie zu neuem Leben zu erwecken. Grundlagen hierfür sind ein besseres Verständnis der Kompositionen, gründliche Studien der Aufführungspraxis der Zeit sowie Kenntnis der Spieltechniken und des musikalischen Umfeldes dieser glorreichen Ära der Mandoline. Sehr schnell wurden dem Ensemble seitens der Kritiker Preise in Anerkennung seiner künstlerischen Arbeit zugesprochen, und es wurde von Seiten der Öffentlichkeit geradezu enthusiastisch gefeiert, weil die Konzertauftritte immer neue Impulse bezüglich Werkauffassung und musikalischer Ausdeutung der Werke des 17. und 18. Jahrhunderts vermitteln. Dabei partizipieren sie an der gegenwärtigen Expansion des weltweiten Interesses an Barockmusik ebenso wie sie von ihrer Unterrichtstätigkeit an Musikhochschulen, ihre Meisterklassen, Konzerte und Publikationsaktivitäten profitieren. Das Ensemble „Artemandoline“ gehört zu den Pionieren in dieser Domäne, deren internationale Reputation in Vergessenheit geraten war und die sich anschickt, diese erfolgreich zu reaktivieren. Innerhalb weniger Jahre hat „Artemandoline“ seinen unverwechselbaren Stil gefunden, seine instrumentaltechnische und künstlerische Qualität unter Beweis gestellt und damit seine veritable Identität geformt und konstituiert. Artemandoline musiziert auf historischen Instrumenten. Das Ensemble um Juan Carlos Muñoz und Mari Fe Pavón wird regelmäßig zu Auftritten bei Musikfestivals in ganz Europa und Übersee eingeladen.
Meike Herzig und das Ensemble Artemandoline präsentieren mit "Alla Ciaconna" Werke von Marco Uccellini, Fabritio Caroso, Nicola Matteis, Samuel Capricornus, Lucas Ruiz de Ribayaz, Andrea Falconieri, Carlo Arrigoni u.a. Überschäumende Spielfreude, Improvisationslust und virtuoses Experimentieren zeichnen das Musizieren von Meike Herzig (Blockflöte) und ARTEMANDOLINE aus. Viele der alten Melodien verlangen nicht nur eine sorgfältige, quellenkritische Bearbeitung, sondern auch eine phantasievolle Interpretation. Sich in die Musik längst vergangener Epochen einzufühlen und inspiriert damit umzugehen – das sind wichtige Aspekte der gemeinsamen Arbeit von ARTEMANDOLINE und Meike Herzig. Über das musikalische Handwerk der historischen Aufführungspraxis hinaus wird Alte Musik mit Spontanität, Intelligenz und Emotion zu neuem Leben erweckt.
Meike Herzig interessiert sich auch für Epochen und Stilistiken, die im Studium üblicherweise nicht vorkommen: die Musik des Mittelalters, Folk, improvisierte Musik und Jazz. Die Erfahrung mit diesen verschiedenen Genres prägt ihren Stil bei der Interpretation Alter Musik – spannungsreich, rhythmisch pointiert und klanglich differenziert. Sie spielt oft Flötenkopien des Mittelalters, deren selten gehörter perkussiver Klang ihren Stil einmalig machen. Auftritte z.B. beim Festival für Alte Musik Herne, Jazzfestival Moers, dem Festival der European Broadcasting Union oder als erste Preisträgerin beim Wettbewerb „Creole“ zeigen die Breite ihres künstlerischen Schaffens. Konzertreisen führten sie nach Frankreich, Italien, Kanada, Ungarn, Polen und in die Schweiz. Meike Herzig spielt in den Ensembles Chant des Grillons, Semperviva und sYn.de sowie mit Künstlern wie Dorothee Oberlinger, Carlo Rizzo, Michel Godard, Albrecht Maurer, Mitgliedern von Concerto Köln und Sequentia, dem Hilliard Ensemble sowie als Gast bei oni wytars. Ungewöhnliche, attraktive Konzert- und CD-Programme zu entwickeln ist eine ihrer besonderen Stärken.
Das Programm "Alla Ciaconna"
Marco Uccellini (1603-1680) 5 Sinfonie Boscarecie, op. 8 (Venezia 1660) A Girifalcha - A Padouana - Arcadicha - A Gianina - A Virmingarda
Marco Uccellini Aria Quarta sopra la Ciaconna Marco Uccellini La Lucimina contenta, Sonata seconda op 4/2
Lucas Ruiz de Ribayaz (17. Jahrhundert, Spanien) Suite de danzas Españoletas- Galería de amor y buelta- Achas y buelta del hacha- Xácaras
Samuel Capricornus (1628-1665) Ciaconna in re
- PAUSE -
Anónimo ( 17. Jahrhundert, Neapel) Follias
Andrea Falconieri (1585/6–1656) La suave melodia y su corrente
Bernardo Storace (ca. 1637 - ca. 1707) Ciaconna (für Cembalo solo)
Santiago de Murcia (1673- 1739) Marionas & Fandango
Ciaccona
Als Zugabe wurde noch ein Satz aus den Sonate Boscarecie von Uccellini gespielt
Zum Programm "Alla Ciaconna"
Eine Chaconne basiert stets auf einem festen Bassmuster, einem wiederkehrenden Grundthema, das das ganze Stück hindurch erklingt und den Hörer wie ein roter Faden durch das musikalische Geschehen führt. Dieses Ostinato ist Symbol für das Unveränderliche, Vertraute und gibt dem Ohr einen Halt. Gleichzeitig offenbart sich in der Chaconne die Kraft der Veränderung. Über das immer gleiche Bassmotiv legen sich Variationen: die Melodie wandert in neue Tonhöhen, wird verspielt, virtuos, feurig oder manchmal melancholisch. Diese Veränderungen symbolisieren das Leben, das niemals stillsteht – Ereignisse kommen und gehen, doch die Grundstruktur, eine Art Heimat im Bass, bleibt bestehen. In dieser Verbindung von Beständigkeit und Wandel, von festen Wurzeln und freier Entfaltung liegt die Kraft der Chaconne, die viele Komponisten beflügelt hat: Marco Uccellini zum Beispiel, der mit verwegenen rhythmischen und harmonischen Einfällen die Entwicklung der Instrumentalmusik sehr beeinflusst hat. Außer seiner Chaconne sind im Programm einige Sätze aus seiner umfangreichen Sammlung Sinfonie Boscarecie, sowie eine Sonata, in denen unterschiedlichste Gefühle, im Barock „Affekte“, dargestellt werden. Und das war das wichtigste Anliegen der frühen Instrumentalmusik: größtmöglichen Ausdruck zu suchen. Hand in Hand mit der Entwicklung des Instrumentalrepertoires wurde die Rhetorik zum Bindeglied zwischen Instrument und Stimme. Wo Worte fehlten, setzten Komponisten und Instrumentalisten die Rhetorik ein, um die Zuhörer ebenso zu begeistern wie die Sänger es taten. Auch Andrea Falconieri, ein weiterer wichtiger Komponist der Instrumentalmusik im italienischen Frühbarock, zudem Lautenspieler und Sänger, schrieb eine ciaccona, die besonders durch mitreißende Rhythmen auffällt. Seine suave melodia ist berühmtes Beispiel für die ausdrucksstarken Melodien diese Epoche. Außer der Chaconne gibt es weitere Formen, die sich einem gleichbleibenden Bass oder einer Harmoniefolge bedienen: in diesem Programm sind es zum Beispiel der Fandango oder die Folia. Besonders letztere, die Verrücktheit, erfreute sich großer Beliebtheit auch bekannter Komponisten wie Vivaldi oder Corelli. Die im Programm zu Hörende eines unbekannten Komponisten ist ein Feuerwerk an Virtuosität und Verrücktheit!
Stand: 13. April 2025. |
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