8. März 2026
AOI-Trio
Nur sechs Mal in der Geschichte des ARD-Wettbewerbs wurde ein erster
Preis für Klaviertrios vergeben. Das AOI Trio gewann diesen prestigeträchtigen
ersten Preis im Jahr 2018, was einen atemberaubenden Start ihrer internationalen
Karriere bedeutete. Das AOI Trio wurde 2016 von Kyoko Ogawa (Violine),
Yu Ito (Cello) und Kosuke Akimoto (Klavier) gegründet, die alle ihren
Abschluss an der Universität der Künste in Tokio machten und zwei Jahre
lang an der renommierten Chamber Music Academy of Suntory Hall (Tokio)
studierten.
Nach ihrem Sieg beim ARD-Wettbewerb arbeiteten sie unter Dirk Mommertz
(Fauré Quartett) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst München.
Das AOI Trio tritt jedes Jahr bei mehr als 30 Konzerten in den wichtigsten
Konzertsälen nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland, Italien, Frankreich,
Tschechien, Singapur und den USA auf.
Von 2022 bis 2024 war es Residenzensemble der Kioi Hall, und seit kurzem
arbeitet es an einem siebenjährigen Projekt mit der Suntory Hall und ist von
2025 bis 2027 Residenzensemble der Fukinoto Hall Sapporo.
Zu den bisherigen Kooperationen mit professionellen Orchestern zählen
das Sapporo Symphony Orchestra, das Orchestra Ensemble Kanazawa und
das Osaka Philharmonic Orchestra für Beethovens Tripelkonzert, das Nagoya
Philharmonic Orchestra für Casellas Tripelkonzert und das Suntory Hall
Chamber Music Academy Ensemble für Martinu’s Werk. Sie waren nicht nur
bei Konzertauftritten dabei, sondern auch bei Kammermusik-Meisterkursen
für Fakultätsmitglieder.
Das AOI Trio hat neun Aufnahmen veröffentlicht: „Haydn Nr. 27 und
Schubert Nr. 2“, „Beethoven Nr. 1 und Mendelssohn Nr. 2“, „Martinu Nr. 1
& Dvorak Nr. 3“, „Schumann Nr. 1 & Schubert Nr. 1“, „Schumann Nr. 2 &
Chopin“, „Clala Schuman & Robert Schumann Nr. 3“, „Beethoven Nr. 2, 4
& 6“, „Beethoven 1, 5 & Kakadu-Variationen“ und „Klavierquartett Mozart
Nr. 2 & Brahms Nr. 1 mit Kazuhide Isomura“, die von der Kritik hoch gelobt
wurden. Sie wurden mit dem Aoyama Music Award, dem Nippon Steel Music
Award, dem Hotel Okura Music Award und dem Music Pen Club Award
ausgezeichnet.
Der Name „AOI“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Familiennamen
Akimoto, Ogawa und Ito zusammen und ist auch der Name einer Blume im
Japanischen, die in Europa allgemein als „Stockmalve“ bekannt ist und
„Hoffnung“ oder „Fruchtbarkeit“ symbolisiert.
Die Werke
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Klaviertrio Nr. 5 D-Dur, op.70,1 („Geistertrio“)
Allegro vivace e con brio
Largo assai ed espressivo
Presto
Toshio Hosokawa (*1955)
Trio (2013 2017)
Klangmeditation
PAUSE
Antonín Dvorák (1797 – 1828)
Klaviertrio Nr. 3 f-Moll, op. 65
Allegro ma non troppo
Allegretto grazioso
Poco Adagio
Finale. Allegro con brio
Zum Programm
Dem langsamen Mittelsatz verdankt Ludwig van Beethovens berühmtes
Trio seinen populären Beinamen „Geistertrio“. Nicht erst Beethovens Schüler
Carl Czerny meinte: „Der Character dieses, sehr langsam vorzutragenden
Largo ist geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt.
Nicht unpassend könnte man sich dabei die erste Erscheinung des Geists im
Hamlet denken.“ Zum Eindruck des Geisterhaften trägt der Klang bei: Das
Hauptthema, das sich wie ein melancholischer Gesang über den ganzen Satz
legt, wird vom Klavier mit schnellen Sextolen leggiermente begleitet, woraus
nach Hoffmann „ein Säuseln“, ein schattenhafter Klang entsteht. Verbunden
mit den düsteren Akkordballungen und dem seltsam verhangenen Duktus der
Themen wirkt der ganze Satz wie ein gespenstisches Bild. Es gipfelt in den
düsteren Klängen der Coda, wo die Sextolen in den Klavierbass wie in eine
Gruft hinabzusteigen scheinen. Dennoch hat nicht jeder Hörer oder Rezensent
bei diesen Klängen gleich an Geistererscheinun-gen im Stil Shakespeares
gedacht. E.T.A. Hoffmann hörte aus dem Satz nur den „Charakter einer sanften,
dem Gemüth wohltuenden Wehmuth“ heraus. „Wie der Sturmwind die Wolken
verjagt“ (Hoffmann), so verdrängt das Finale das düstere Largo. Es kehrt zur
tatenfrohen Gemütslage und zur kontrapunktischen Verarbeitungstechnik des
Kopfsatzes zurück.
Das 2013 uraufgeführte und 2017 nochmals revidierte Klaviertrio von
Toshio Hosokawa (Jahrgang 1955) hat das AOI Trio gemeinsam mit dem
berühmten Landsmann erarbeitet. Ihre Nähe zum Komponisten garantierte
besondere Authentizität: Hosokawas Natur inspiriertes Ideal einer „tönend in
sich belebten Landschaft des Werdens“ wirkte in dieser durch suggestive
Wellenbewegungen geprägten Klangmeditation exemplarisch verinnerlicht.
Die Komposition des f-Moll-Trios nahm Antonín Dvorák ungewöhnlich
lange – länger als zwei Monate – in Anspruch (für gewöhnlich schloss er ein
ganzes Kammermusikwerk in wenigen Tagen ab). Das Werk bezeichnet eine
Wende in seiner Stilentwicklung. Er wandte sich hier von seiner sogenannten
„slawischen Phase“ ab und dem großen Vorbild Brahms zu. Die Entwicklung
der Themen aus kleinsten Motivbausteinen, die großen dramatischen
Steigerungen und der düstere Ton erinnern unmittelbar an bestimmte
Kammermusiken von Brahms, etwa an das f-Moll-Klavierquintett oder an die
Klavierquartette. Daneben gibt es immer noch deutliche Anklänge an die
tschechische Folklore, sie bestimmen aber nicht mehr den Ausdruck der vier
Sätze, sondern geben ihnen lediglich eine nationale Färbung.
Yu Ito, Violoncello
Kyoko Ogawa, Violine
Kosuke Akimoto, Klavier