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15. Oktober 2017

 


17. September 2006

Mozart Klavierabend

 

Mozart-Klavierabend mit Briefen und Diaprojektionen

Gil Sullivan, Mozartspezialist aus Adelaide (Australien)

Die Saison 2006/07 wird mit einem Klavierabend zum 250. Geburtstag Mozarts eröffnet. Der australische Pianist Gil Sullivan interpretiert berühmte Klaviersonaten des Komponisten.

Der Solist wird weltweit als kompetenter Interpret Mozartscher Klaviermusik geschätzt. Ende August 2006 hat er beim „Darwin Festival" anlässlich des 250. Geburtstags Mozarts dessen sämtliche Klaviersonaten in einer Reihe von fünf Konzerten aufgeführt, die im australischen Sender „ABC Classics" zu hören sein werden. Konzertreisen haben Sullivan, häufig vom Flügel aus dirigierend, über Australien hinaus nach Südostasien, Europa und in die USA geführt. Sein Repertoire reicht von Mozart über Brahms und Rachmaninow bis Williamson. Die Klavierkonzerte von Tschaikowsky und Schumann wurden auf CD aufgenommen.

Bei seinen Konzertreisen hat Gil Sullivan als Kammermusiker mit bedeutenden Ensembles gespielt. Er macht regelmäßig Aufnahmen für Radiostationen in Australien und Hongkong. Kritiken preisen Sorgfalt und Durchsichtigkeit, Brillanz und Klangfarbenreichtum seines Spiels.

Gil Sullivan ist neben seiner Konzerttätigkeit engagierter Klavierlehrer, der über Australien hinaus an renommierten Musiklehrstätten in Korea, Taiwan, Hong­kong, England und den USA unterrichtet hat. Zur Zeit ist Sullivan Mitglied der Piano Faculty, Elder School of Music, Adelaide University.


Trotz der Kürze seines Lebens hat Mozart in einer raschen Entwicklung die drei typischen Phasen eines Komponisten, früh - reif - spät, durchlaufen. Die drei Gruppen der Salzburger-Münchner, Mannheimer-Pariser und Wiener Klaviersonaten dokumentieren dies. Obwohl schon typisch mozartisch, zeigen die sechs Sonaten der ersten Gruppe noch deutlich ihre Herkunft aus der Kunst der „galanten Epoche", vor allem den Einfluss Johann Christian Bachs. Die sieben von Herbst 1777 bis Herbst 1778 in Mannheim und Paris entstandenen Sonaten sind Frucht eines raschen Reifungsprozesses während der Schicksalsreise, die den 21jährigen durch die leidenschaftliche, schnell enttäuschte Liebe zu Aloysia Weber und den Tod seiner Mutter aus der heiteren Jugendwelt herausriss und ihm den Blick für die dunkle Realität des Lebens öffnete. Nach dieser Reise und seiner Übersiedlung nach Wien hat Mozart für das Klavier viele Konzerte, aber volle sechs Jahre lang keine Sonate mehr komponiert. Alle danach von ihm veröffentlichten (5 bzw. 6) „Wiener Klaviersonaten" sind individuelle Einzelwerke des nun freien, selbstverantwortlichen Künstlers.


Für dieses Konzert wurden Sonaten ausgewählt, die für die drei Schaffensperioden typisch sind. Dabei wird der vorwiegend heitere dem dramatisch leidenschaftlichen Mozart gegenübergestellt.

 

Sonate in B-Dur KV 498a

Das Konzert beginnt mit 4 aus Mozartschen Fragmenten rekonstruierten Klaviersätzen. Als KV 498a fehlen diese in keiner der alten Sammlungen von Mozart-Sonaten. Erst die Urtextwelle des 20. Jahrhunderts hat sie hinweggespült. Die von Karl Marguerre auf der Grundlage Mozartscher Originalvorlagen 1973 revidierte Ausgabe hat Gil Sullivan so überzeugt, dass er sie in sein Programm übernommen hat. Die Mozartsche Vorlage zum 1. Satz ist ein 1789 entstandenes Fragment eines Sonaten-Hauptsatzes. Das Menuett beruht wahrscheinlich auf der Übertragung eines Kammermusikwerkes Mozarts. Das Thema des Andantes stammt aus dem Klavierkonzert B-Dur KV 450. Das Rondo folgt einem Entwurf für den Schlusssatz dieses Konzertes. Die Sätze zeigen überwiegend den heiteren Mozart.

 

Sonate in a-moll KV 310

Eine völlig andere Stimmung beherrscht die 1778 während Mozarts Schicksalsreise in Paris entstandene a-moll-Sonate KV 310. Eine Klaviersonate von solcher formalen und inhaltlichen Größe, solcher heroisch-tragischen Stimmungsdichte war zuvor noch niemals geschrieben worden. Unerbittlichkeit in den Themen und monotonen Rhythmen, in den sich aufbäumenden und wieder nieder sinkenden Laufgirlanden ist das Charakteristikum des ersten Satzes, Allegro maestoso. Im zweiten Satz, Andante cantabile con espressione, kehrt Ruhe ein, jedoch mit pathetisch-leidenschaftlichen und tragisch-erhabenen Zügen. Die Sonate schließt mit einem schattenhaft dahinhuschenden a-moll-Presto, das in der Mitte von einem kurzen Dur-Lichtblick erhellt wird - vielleicht entstanden aus dem Bewusstsein Mozarts von der Flüchtigkeit des Lebens.

 

Sonate in G-Dur KV 283

Die 1774 entstandene G-Dur-Sonate KV 283 verdankt ihre Volkstümlichkeit vor allem dem ersten Satz, einem melodisch fließenden, aus prägnanten thematischen Formeln gefügten Allegro. Mozart lässt hier der Exposition statt einer Durchführung eine neue, kurze Themengruppe folgen, die in die Reprise zurückleitet. Das Andante, entwickelt sich in zierlich verschnörkeltem Figurenwerk, unterbrochen von einem dunkleren Mittelteil in Moll. Das Finale, ein lustiges Presto im Dreiachteltakt, über gleichförmigen Trommelbässen beginnend, passt zum unbekümmerten Charakter dieser Sonate.

 

Fantasie & Sonate in c-moll KV 475/457

Die von Mozart im Oktober 1784 komponierte c-moll-Sonate KV 457, zusammen mit der von ihm im Mai 1785 als Präludium vorangestellten c-moll-Fantasie KV 475, wirkt mit ihrer eruptiven Ausdruckskraft wie ein Vorbote der romantischen Epoche. Im Adagio der Fantasie schließt sich an die Introduktion mit ihrem erschütternden Schicksalsmotiv eine melancholische Melodie an; dann folgt ein stürmisches Allegro und ein lyrisches Andantino mit einem dramatisch anlaufenden, sich allmählich beruhigenden Piu allegro, das zur Coda, Primo tempo, überleitet, in der das Schicksalsmotiv wieder aufgegriffen wird. Das Thema des 1. Satzes der c-moll-Sonate, Molto allegro, ist gekennzeichnet durch den dynamischen Gegensatz zwischen der Energie eines aufsteigenden Dreiklangmotivs und der Zartheit des nachfolgenden absteigenden Motivs. In der Coda wird das Dreiklangmotiv durch eine dramatische Engführung gesteigert, bevor der Satz in dunkler c-moll-Tiefe verklingt. Zwischen den expressiven Allegro-Sätzen wirkt das Adagio in Es-Dur mit seiner zierlichen Ornamentik wie eine wehmütige Erinnerung an vergangene, glückliche Zeiten. Das stürmische Finale, Allegro assai, mit seinen vorwärts drängenden Motivketten, die durch peitschende Akkorde mit nachfolgenden Fermatenpausen abgebrochen werden, offenbart die erschütternde seelische Zerrissenheit des Komponisten.

Der Solist bedankte sich bei seinem begeisterten Publikum für den anhaltenden mit dem ersten Satz aus der Klaviersonate in B-Dur KV 333.

 

Das Konzert wird ergänzt durch Lesungen von Briefen und Diaprojektionen von Bildern Mozarts.


 

Pressestimmen

Siehe sachliche Richtigstellungen nach dem Text der Kritik!

Jülicher Zeitung:

Viel Spektakulum, wenig Musik

Zum  ersten  Schlosskonzert in der Zitadelle erging die Einladung von der  Jülicher Schlosskonzerte e.V. Der angekündigte Mozartabend  mit den   Sonaten verschiedener Epochen des Komponisten reizte anscheinend nicht sehr viele Zuhörer, denn einige Plätze blieben an diesem Abend in der Schlosskapelle frei.

In der Ankündigung der Schlosskonzerte steht eigentlich die Musik im Mittelpunkt. So sollte es auch sein. Aber an diesem Abend kam es anders. Der Kenner der musikalischen Literatur konnte anhand des Programms schon absehen, dass die Werkfolge nicht dem Zeitrahmen einer Konzertveranstaltung entsprach. Den konzerterprobten Zuhörer erwartete eine erweiterte Programmfolge, in die ein Moderator eingebaut war.

Marcell Perse, der Leiter des Museums der Stadt Jülich, absolvierte in fast perfektem Kostüm die Darstellung Mozarts in biografischen Parts und Auszügen aus Briefen des Komponisten mit fast schon schauspielerisch reifer Leistung. Die zugehörige Powerpoint-Präsentation passte nicht zu einem klassischen Konzertabend.

Viel Spektakulum, viel Biografie - wenig Musik von Mozart. Der Interpret des Abends, Gil Sullivan aus Australien, war sicherlich ein Spezialist der Mozartschen Sonaten. Der Zuhörer gewann aber den Eindruck, dass er diese Musik schon sehr lange in eingängigen Konzertprogrammen routiniert und ohne persönliches Engagement präsentiert. Esprit und Einfühlungsvermögen wurden vermisst. Mozarts Sonatenkultur muss nicht gewaltig interpretiert werden. Sie lebt vom Detail, von der liebevollen Ausarbeitung der Triller und der Läufe.

Der Solist des Abends brachte ein Repertoire, mit dem er sicherlich schon große Erfolge gefeiert hat. Er spielte routiniert, selbstsicher und souverän. Ihm fehlte aber die Liebe zum Detail, zu der Werktreue. Manche Passage wurde in solistischer Freiheit auch interpretatorisch für mangelnde Technik ausgenutzt.

Mozarts Sonaten sind sicherlich Konzertliteratur. Aber wie sie gespielt werden, und was der Zuhörer in einem Konzert erwarten kann, das unterliegt unterschiedlichen Kriterien.

Die Werke des Abends sind jedem Musikliebhaber bekannt - B- Dur, A-Moll, G-Dur und Fantasia und Sonate in C-Moll. Bei aller Biografie, bei aller Musikgeschichte sollte bei einem Konzert die Musik im Mittelpunkt stehen.


Wunderschöne Kompositionen, die jedem Interpreten genug Freiheit lassen, genug Zwänge auferlegen, die damit jedem Konzertbesucher ein Mozartsches Bild schenken können, bedürfen keines „Spektakulums".           (HiVi)

 

Sachliche Richtigstellungen:

Das Konzert war bis auf 4 Plätze ausverkauft. Die Gesamtzeit für Bild- und Textpräsentation füllte weniger als 30 min, die reine Spielzeit rund 80 min, mit Auf- und Abtritt gut 90 min; "Viel Spektakulum/wenig Musik" verhält sich also wie rund 30 ("viel") zu 90 ("wenig")...

 


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Stand: 16. Januar 2012.